Sitten und Gebräuche

HOCHZEITSBRAUCHTUM in Patzmannsdorf

Brautgroschen sammeln: Manchmal sammeln noch junge Mädchen Groschen, um sich damit ihre Brautschuhe selbst zu kaufen, damit das Glück für die Ehe gesichert ist. Nach alten Überlieferungen war das Groschensammeln der Beweis für die Sparsamkeit der Braut.

 

Etwas Altes-Neues-Blaues-Geborgtes: Es ist schon sehr lange üblich, dass die Braut am Tag ihrer Hochzeit etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues und etwas Geborgtes trägt. Die Überlieferung besagt, dass ihr dadurch viel Glück und eine sonnige Zukunft sicher sind.

 

Ba: Beim Ba handelt es sich um einen ovalen Striezel unseres Bäckermeisters mit einem Durchmesser von ungefähr 50-60 cm, gefüllt mit Krapferln, der von der Dorfjugend an einem Abend vor der Hochzeit verspeist wird. Ba


Der Ba der Jugend (Hochzeit) - MyVideo Österreich

Hochzeitskranz, -bagen, -bahnen, -beugel oder Brauna wird das Gebäck in anderen Orten im östlichen Niederösterreich oder dem Burgenland genannt. Vielfach wird das Gebäck nur in einem einzigen Stück hergestellt und besteht aus bestem Weizenmehl mit Zusatz von Zucker, Milch, Butter, Eiern und Rosinen.

Vereinzelt wird das Gebäck mit einer Glasur (vereist) oder mit Hagelzucker überzogen (Bild unten). Die Größe schwankt zwischen 40 und 100 cm im Durchmesser und das Gewicht zwischen drei und vier Kilogramm. Die Form dieser Gebildbrote ist durchwegs die eines geflochtenen Kuchens, die in den meisten Fällen einen Kranz darstellt. Mitunter wird er auch herzförmig oder in anderen Sonderbildungen gestaltet. Die mit den Gebäcken verbundenen Bräuche sind ortweise veschieden. In der Regel erfolgt im Viertel unter dem Manhartsberg das Auswerfen dieser Kranzbrote durch die Braut. Sobald der Hochzeitszug, von der Kirche kommend, vor dem Hochzeitshaus oder dem Gasthaus angelangt ist, stellt sie sich mit ihren Kranzeljungfrauen vor der Haustür auf und wirft ein großes, blumengeziertes Beugel, nachdem sie es einige Male hin- und hergeschwenkt hat, kopfüber unter die wartende Menge. (aus: Ernst Burgstaller: Österreichisches Festtagsgebäck)

Hier in Patzmannsdorf verbarg sich dahinter so eine Art Abschiedsgeschenk der Braut an die Burschen. Die Ba-Buim, die den Ba für die Jugend abholten, wurden auch abends zur Hochzeitstafel, welche traditionellerweise noch zu Hause stattfand, eingeladen.

Heute, wenn ein Mitglied der Dorfjugend das Weite sucht und in den Stand der Ehe tritt, organisiert er oder sie ein Abschiedsfest - meist im Keller (Presshaus) - für die Dorfjugend.

 

Polterabend: Der Polterabend hatte in der Vergangenheit die Bedeutung, böse Geister durch den Lärm, den das Zerschlagen von Geschirr macht, zu verjagen. Heute glaubt man nicht mehr an böse Geister, sondern veranstaltet das Poltern, weil es Spaß macht und die Freunde dem Brautpaar damit viel Glück wünschen wollen. Es ist aber auch durchaus üblich, den Polterabend als Abschied vom Junggesellenleben zu veranstalten. Dabei wird nicht nur Porzellan (die alte Kaffeeschale von der Braut und vom Bräutigam) zerschlagen, sondern es werden auch diverse Juxartikel wie Konfetti, Luftballons, Papierschlangen, Toilettenpapier und ähnliches verwendet. Das Paar muss die Scherben und die anderen Utensilien selbst wegwerfen, damit ihnen das Glück auch wirklich hold bleibt.

 

Ständchen: Ist eines der beiden Brautleute Mitglied beim Kirchenchor oder der Musikkapelle singen und spielen beide (Kirchenchor und Musikkapelle) vor oder im Haus der Brautleute an einem Abend vor der Hochzeit einige Stücke. Im Anschluß daran werden die Gäste dann von der Familie der Brautleute bewirtet. Nach einigen Stunden kann es dann natürlich wieder vorkommen, dass alle wieder zu musizieren beginnen ...

 

Hochzeitszug: Am Tag der Hochzeit zieht der Bräutigam mit Verwandtschaft zum Haus der Braut oder fährt mit dem Auto vor. Beim Haus der Braut angekommen, erwartet der Bräutigam die Braut. Nun werden aber dem Bräutigam alte Frauen oder junge, noch nicht heiratsfähige Mädchen als Braut angeboten. Erst nach längerem Hin und Her erscheint dann die richtige Braut. Diese Sitte ist auf den Volksglauben zurückzuführen, die bösen Geister, die am Hochzeitstage besonders rege und gefährlich sind, täuschen zu müssen. In der Zwischenzeit erhielten die Schaulustigen, Nachbarn und Bekannten der Brautleute Mehlspeisen und Wein kredenzt.

 

Musik: Kurz bevor sich die Braut / der Bräutigam auf den Weg machen und sich die Schaulustigen vor dem Haus einfinden, spielt der Musikverein einige Stücke. Wenn der Hochzeitszug nicht weit von der Kirche entfernt beginnt, spielt die Kapelle diesen auch noch zur Kirche und im Anschluss an die Messe während den Gratulationen vor der Kirche bzw. dem Pfarrhof.

Hochzeitsschießen: Beim Hochzeitsschießen versammeln sich einige Jäger vor dem Haus der Braut / des Bräutigams und schießen hintereinander mit Schrot mehrmals in die Luft. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind alle Einwohner von Patzmannsdorf nun informiert, dass es jetzt los geht! Im Anschluß an die Messe schießt die Gruppe nochmal, um die "bösen Geister und Dämonen" zu vertreiben. Mit einer Einladung ins Gasthaus beruhigen sich die Schießer aber wieder :-)

 

Gratulationen: Gleich im Anschluss and die Messe muss das Brautpaar in der Kirche um den Hochaltar gehen und kann dann die Gratulationen der Gäste entgegennehmen. Die Schaulustigen können dann im Anschluss daran vor der Kirche die Glückwünsche überreichen.

 

Spalier stehen: Die Hochzeitgäste bilden noch in der Kirche ein Spalier, durch den sich das frisch vermählte Paar seinen Weg bahnen muss. Dies soll symbolisch darstellen, dass sie gemeinsam durchs Leben gehen und alle Schwierigkeiten oder Hindernisse auch gemeinsam meistern müssen.

 

Reis werfen: Reis steht als Zeichen der Fruchtbarkeit, deshalb Taschen füllen und das Hochzeitspaar beim Verlassen der Kirche damit überschütten (oder einfach nur auf den Weg streuen) !

 

Vazoign: Wenn die Braut Patzmannsdorf verlässt und in eine andere Ortschaft oder Stadt zieht, wird der Hochzeitszug nach der Trauung von den Burschen angehalten und der Bräutigam muss seine Braut "auslösen". Die Lösung des letzten Hindernisses besteht in einem Spiel für den Bräutigam (büglen, wickeln, ...) und in einer Spende an die Dorfburschen, aus deren Gemeinschaft das Mädchen nun eben ausscheidet. Im Gegenzug zur Spende reichen die jungen Leute den Hochzeitsgästen oft Wein. Erst wenn der letzte Hochzeitsgast davon getrunken hat, wird die Sperre aufgelöst.

 

 

 

 

Herbert beim Waschen ...

 

Fotos: Der Pfarrhofgarten, der Kirchhof und die Pfarrwiese eignen sich besonders für Fotos mit Freunden und Familie.

 

Dosen-Scheppern: Hinten ans Brautauto wird eine Schnur mit alten Blechdosen gebunden, damit es so richtig scheppert und allen mitgeteilt wird: hier kommt ein frisch verheiratetes Paar. Ein Nebeneffekt: durch das Scheppern der Dosen halten sie die Geister davon ab, dem Brautpaar zu folgen!
Zusätzlich wird das Brautauto von einem lauten Hupkonzert begleitet, an dem auch Unbeteiligte gerne teilnehmen.

 

Das Brautpaar wird gefahren: Ein alter Aberglaube besagt, dass der Bräutigam nicht selbst das Hochzeitsauto lenken darf, wenn er nicht direkt ins Unglück fahren will.

 

Gemeinsames Anschneiden der Hochzeitstorte: Braut und Bräutigam schneiden gemeinsam die Hochzeitstorte als Zeichen für ihren Zusammenhalt und Einigkeit in der bevorstehenden Ehe, an. Wer beim gemeinsamen Anschneiden der Torte die Hand obenauf hat, der soll der Herr im Haus sein - auf ewig.

 

Tanz: Dem Brautpaar gehört der erste Tanz - ein Wiener Walzer - ganz allein auf der Tanzfläche. Im Anschluss dürfen alle loslegen. Die Braut schenkt den nächsten Tanz ihrem Vater, dann ihrem Schwiegervater. Der Bräutigam dreht zuerst seine Schwieger-mutter, dann seine Mutter um die Runden. Schließlich muss er sich allen Damen widmen, während die männlichen Gäste darauf achten, dass die Braut nicht zur Ruhe kommt. Am Ende der Hochzeitsfeier tanzt das Brautpaar nochmals einen letzten Walzer.

 

Schleier abnehmen - Braut auffedern:

Liebes Brautpaar!
Ich hab von Eurer Hochzeit vernommen,
darum bin ich hierher gekommen.
Die Braut, sie möge mit mir geh'n,
und sich mit uns zum Tanze dreh'n.
Ist die Braut jung und frisch,
so steige sie über den Tisch.
Ist sie aber alt und krank,
so steige sie über die Bank.
Musikanten, spielt's auf ein Stück-
für die Braut gibt's kein zurück.

Dann nimmt die Brautmutter ihrer Tochter den Schleier ab. Alle unverheirateten Mädchen stellen sich hinter die Braut, die den Schleier rücklings in die Menge wirft.

Mit der Brautzeit ist es jetzt vorbei,
nun kommt der Alltag herbei.
Jetzt setze dir ein Kopftuch auf,
wie es ist der Hausfrau Brauch.
Du, lieber Gatte, nimmst den Hut
und tanze nun mit frohem Mut.

Braut auffedern ...
Alle Männer stellen sich im Kreis auf. Jeder, der den Hut aufgesetzt bekommt, tanzt mit der Braut. In der Zwischenzeit werden Geldstücke auf die Tanzfläche geworfen, die der Bräutigam zusammenkehren muss.

 

Brautentführung - Vazahn: Früher war die Brautentführung eine sehr ernste Sache, da es oft auch vorkam, dass die Braut schon bei der Hochzeitszeremonie entführt wurde. Wenn der Bräutigam auf seine Braut nicht aufpassen konnte, war er auch nicht wert, sie zu heiraten. Heute dient dieser Brauch lediglich dazu, das Brautpaar für kurze Zeit zu trennen, um irgendwo einzukehren. Freunde der Brautleute lenken den Bräutigam und den Trauzeugen ab, um die Braut mit dem Brautstrauß zu entführen. Der Bräutigam bzw. der Trauzeuge der Braut müssen also auf den Brautstrauß während der Feier ganz besonders achten, da sie nur dann die Zeche der Entführer zu bezahlen haben, wenn der Brautstrauß auch mit dabei ist.

 

Wohnung oder Haus verwüsten: Das ist ein bei Freunden des Brautpaares sehr beliebter Brauch, um den Eheleuten den oft mühsamen und steinigen Weg des Ehelebens klarzumachen. Dabei wird in der Wohnung der Eheleute meistens das Geschirr angepatzt, die Schränke ausgeräumt und die Sachen in der ganzen Wohnung verteilt. Zusätzlich soll es auch schon vorgekommen sein, dass das Bett vollkommen zerlegt, die Haustüre verbarrikadiert oder Luftballons und Konfetti gleichmäßig verteilt wurden.

 

 

 

 

 

Luftballons im Schlafzimmer ...

 

Krapferl: Beim Abschied von der Hochzeitfeier bekommen die Hochzeitsgäste noch wohlschmeckende Krapferl in einer Schachtel mit auf den Heimweg (früher auch Teile des Hochzeitsmahls).

 

Über die Schwelle tragen: Hat das frischvermählte Paar die Hochzeitsfeier glücklich hinter sich gebracht, so kommt auf den Bräutigam nur mehr eine Kleinigkeit zu, die er aber sicherlich gerne auf sich nehmen wird. Wenn beide das erste Mal gemeinsam die neue Wohnung betreten, so muss der Bräutigam seine Braut über die Schwelle tragen. Dies hat den Sinn, so die Überlieferung - die Geister zu täuschen, nämlich, dass nur eine Person die Wohnung betritt.

 

BEGRÄBNISRITUALE in Patzmannsdorf

Einspritzen: Die Trauergemeinde trifft sich bei der Aufbahrungshalle zum "Einspritzen" und für die Beileidsbezeugungen an die trauernde Familie.

Musik: Die Musikkapelle spiel den Trauerzug von der Aufbahrungshalle in die Kirche und nach dem Requiem auch noch zum Friedhof. Der Kirchenchor singt das Requiem.

Friedhof: Die gesamte Trauergemeinde verabschiedet sich am offenen Grab.

Leichenschmaus: Beim anschließenden Leichenschmaus in Gasthaus werden traditionell zum abschließenden Kaffee Kipferl (mit Zucker) von unserem Bäcker zum "Eintunken" serviert: